Der Floorball-Torwart ist die einzige Position im Hockeysport, die ohne Schläger auskommt – und gerade deshalb die mit den meisten Missverständnissen. Zum 1. Juli 2026 ist außerdem ein neues Regelwerk in Kraft getreten, das die Torhüterausrüstung deutlich strenger fasst und dem Torhüter zugleich eine neue Möglichkeit gibt. Dieser Ratgeber erklärt, was erlaubt ist, was sich geändert hat und womit Einsteiger starten.
Ohne Stock, aber nicht ohne Mittel
Das Regelwerk definiert den Torhüter ausdrücklich als Spieler ohne Stock und mit besonderer Ausrüstung, dessen Aufgabe es ist, den Ball am Tor zu hindern. Abgewehrt wird mit Händen, Armen, Beinen und Körper – aus einer knienden oder hockenden Grundposition heraus, die eher an Eishockey erinnert als an Handball.
Das hat eine praktische Folge für die Ausrüstung: Weil der Torhüter den Ball mit dem Körper nimmt und sich dabei ständig auf den Boden fallen lässt, liegt der Schwerpunkt auf Polsterung an Knien, Hüfte und Brust – nicht auf Fangwerkzeugen wie im Eishockey.
Warum die Ausrüstung so aussieht, wie sie aussieht
Wer zum ersten Mal einen Floorball-Torhüter sieht, wundert sich über die Grundposition: Er kniet oder hockt, statt wie im Fußball zu stehen. Das ist kein Stilmittel, sondern eine Folge der Spielfläche. Der Ball wird flach und aus kurzer Distanz geschossen, das Tor ist niedrig, und die meisten Schüsse kommen unterhalb der Hüfthöhe. Aus dem Kniestand heraus ist der untere Torbereich bereits abgedeckt, und der Torhüter kann sich seitlich fallen lassen, ohne vorher in die Hocke zu gehen.
Daraus ergibt sich die gesamte Ausrüstungslogik. Belastet werden Knie, Hüfte und Oberschenkel-Außenseiten – also genau die Stellen, mit denen der Torhüter mehrere hundert Mal pro Training auf den Hallenboden geht. Eine Torwarthose ohne vernünftige Hüftpolsterung ist deshalb kein Sparmodell, sondern ein Fehlkauf. Umgekehrt braucht niemand die wuchtigen Beinschienen, die man aus dem Eishockey kennt: Der Floorball-Torhüter muss beweglich bleiben und sich schnell wieder aufrichten können.
Der Unterschied zum Eishockey-Torwart
Die beiden Positionen tragen denselben Namen und haben wenig gemeinsam. Der Eishockey-Torhüter arbeitet mit Schläger, Fanghand und Stockhand und hat für Schienen, Handschuhe und Brustschutz feste Höchstmaße in Zentimetern. Der Floorball-Torhüter hat keinen Stock, fängt mit beiden Händen und unterliegt stattdessen einer Zweckregel: Die Ausrüstung muss körpernah sein und darf nicht dazu dienen, das Tor abzudecken.
Wer von einer Sportart in die andere wechselt, kann deshalb nichts mitnehmen außer der Grundidee, den Winkel früh zu schließen. Eine Eishockey-Torwartausrüstung im Floorball zu tragen wäre regelwidrig – sie deckt mehr Fläche ab als der Körper.
Was der Gesichtsschutz erfüllen muss
Der Gesichtsschutz ist der einzige Teil der Ausrüstung mit einer klaren Zulassungspflicht. Er muss laut Spielregelwerk SPRGK 2026 den Materialvorgaben der IFF entsprechen und entsprechend gekennzeichnet sein. Die Tragepflicht gilt, solange sich der Torhüter während des laufenden Spiels auf dem Feld befindet.
Ebenso eindeutig ist die Regel zu Veränderungen: Alle Abänderungen des Helms sind verboten – außer seiner Bemalung. Die individuell gestaltete Maske ist also ausdrücklich erlaubt, das Wegschneiden von Gitterstegen oder das Umbauen der Polsterung nicht.
Welche Schutzausrüstung erlaubt ist
Jenseits der Maske arbeitet das Regelwerk mit einer offenen Formulierung: Der Torhüter darf jede Art von Schutzausrüstung verwenden, sofern sie den IFF-Materialbestimmungen entspricht – mit einer Ausnahme. Verboten sind Teile, die dazu dienen sollen, das Tor abzudecken. Helm und dünne Handschuhe sind ausdrücklich erlaubt.
Diese Ausnahme ist der Kern der gesamten Ausrüstungsphilosophie im Floorball. Anders als im Eishockey, wo Schienen und Brustpanzer feste Maximalmaße in Zentimetern haben, fragt das Floorball-Regelwerk nach dem Zweck: Schützt das Teil den Körper, oder vergrößert es die Fläche vor dem Tor?
Was sich 2026 geändert hat
Genau an dieser Stelle hat das neue Regelwerk nachgeschärft. Seit dem 1. Juli 2026 gilt:
- Keine übergroße Kleidung, keine doppelten Schutzschichten und keine Schulterpolster, die die Schulterlinie verbreitern.
- Die Schutzausrüstung muss körpernah geformt sein und darf nicht mehr Fläche abdecken als der Körper des Torhüters selbst.
- Bei der Hose müssen alle Reißverschlüsse, Taschen, Riemen und Klettverschlüsse geschlossen und festgezogen sein.
Für den Vereinsalltag heißt das: Die weite Torwarthose zwei Nummern größer, mit der sich mancher früher optisch vergrößert hat, ist nicht mehr regelkonform. Wer gebraucht kauft, sollte das im Kopf haben – ältere Ausrüstung kann aus einer Zeit großzügigerer Auslegung stammen. Die Entscheidung über das Regelwerk fiel im Dezember 2025 im Zentralvorstand der IFF; die deutschen Spielregeln haben sie übernommen.
Der Torhüter darf jetzt Tore erzielen
Die auffälligste Neuerung geht in die andere Richtung. Ein Torhüter darf nun auch im 5-gegen-5 ein reguläres Tor erzielen, wenn der Ball vorher einen Gegner, einen Mitspieler oder deren Ausrüstung berührt hat. Bisher war das nur im 3-gegen-3 möglich; die Synopse der Verbände stellt den alten und den neuen Wortlaut nebeneinander.
Der Abwurf aus dem eigenen Torraum ist damit nicht nur Spieleröffnung, sondern unter Umständen ein Torabschluss. Für Nachwuchstorhüter ist das ein spürbarer Motivationsschub – und ein Grund mehr, den Abwurf zu üben.
Neue Regeln, die den Torhüter schützen
Drei weitere Änderungen betreffen den Raum vor dem Tor und wirken alle zugunsten des Torhüters:
- Kollisionen vermeiden: Ein angreifender Spieler begeht ein Vergehen, wenn er keine angemessene Anstrengung unternimmt, eine Kollision mit dem Torhüter im Torraum zu vermeiden. Ein tatsächlicher Kontakt muss dafür nicht stattfinden.
- Durchlaufen des Schutzraums gilt jetzt ausdrücklich als Vergehen. Feldspieler dürfen den Torraum weder betreten noch durchqueren, die Linien zählen dazu.
- Aktives Sichtblockieren: Wer den Torhüter wiederholt und gezielt verfolgt, ohne sich am Ball zu orientieren, einzig mit der Absicht dessen Sicht zu beeinträchtigen, begeht ein Stürmerfoul.
Was Einsteiger wirklich brauchen
Die Grundausstattung ist überschaubar:
- Maske oder Helm mit IFF-konformem Gesichtsschutz – der einzige Teil mit Zulassungspflicht.
- Gepolsterte Torwarthose, körpernah geschnitten.
- Brustschutz und Torwarttrikot.
- Knieschoner. Sie sind in den Regeln nicht eigens geregelt und fallen unter die allgemeinen Vorgaben – praktisch aber das Teil, das im Training am stärksten beansprucht wird.
- Dünne Handschuhe, ausdrücklich erlaubt.
Die meisten Vereine halten für den Einstieg eine Leihausrüstung vor. Das ist der sinnvollste Weg: Torwartausrüstung ist die teuerste Anschaffung im Floorball, und ob die Position dauerhaft passt, zeigt sich erst nach einigen Monaten. Frag im Verein nach, bevor du kaufst.
Schuhe für Torhüter
Für Torwartschuhe gibt es keine eigene Regel – es gelten dieselben Anforderungen wie für Feldspieler, also Hallenschuhe mit nicht abfärbender Sohle. In der Praxis unterscheidet sich die Beanspruchung aber deutlich: Der Torhüter läuft kaum, geht dafür ständig in die Knie und rutscht seitlich. Gefragt sind deshalb seitliche Stabilität und ein Obermaterial, das das Abrollen über die Außenkante verträgt. Ein durchgescheuerter Außenrand ist bei Torhüterschuhen der häufigste Verschleißpunkt.
Wann die Ausrüstung ersetzt gehört
- Die Maske nach jedem harten Balltreffer, bei Rissen im Material und wenn die Kennzeichnung nicht mehr lesbar ist – dann lässt sich die Zulassung nicht mehr nachweisen.
- Polster, die sich flach anfühlen und nicht mehr zurückfedern, schützen nicht mehr.
- Gebrauchte Hosen und Brustschutz gegen die Regeln von 2026 prüfen: körpernah, keine doppelten Schichten, keine verbreiternden Schulterpolster.
Kurz zusammengefasst
- Der Torhüter spielt ohne Stock und wehrt mit Körper, Händen und Beinen ab.
- Nur der Gesichtsschutz hat eine Zulassungspflicht: IFF-konform und gekennzeichnet. Bemalen erlaubt, alles andere verändern nicht.
- Sonstige Schutzausrüstung ist frei, solange sie IFF-konform ist und nicht dazu dient, das Tor abzudecken.
- Seit 1. Juli 2026: körpernah, keine übergroße Kleidung, keine doppelten Schichten, keine verbreiternden Schulterpolster, Verschlüsse geschlossen.
- Neu: Der Torhüter darf auch im 5-gegen-5 ein Tor erzielen.
- Für den Einstieg die Leihausrüstung des Vereins nutzen.
Feldspieler brauchen statt der Maske eine Floorball-Schutzbrille, die im Nachwuchs Pflicht ist. Wie der Einstieg insgesamt abläuft, steht im Ratgeber Floorball.