Der Schläger ist beim Floorball die einzige Anschaffung, die wirklich zum Spieler passen muss. Alles andere – Schuhe, Kleidung, Ball – ist austauschbar. Trotzdem greifen Einsteiger im Laden meist zum erstbesten Modell in der richtigen Preisklasse. Dieser Ratgeber erklärt die drei Entscheidungen, die zählen: Länge, Flex und Kelle.
Die drei Entscheidungen
Bevor es um Marken oder Preise geht, sind drei Fragen zu klären:
- Wie lang muss der Schläger sein? Das hängt von der Körpergröße ab und ist die wichtigste Entscheidung.
- Wie steif soll der Schaft sein? Das ist der sogenannte Flex.
- Links oder rechts? Also auf welcher Körperseite der Schläger geführt wird.
Erst danach lohnt der Blick auf Material und Ausstattung.
Die richtige Länge
Die Bauchnabel-Regel
Die bewährte Faustregel: Der aufrecht auf den Boden gestellte Schläger sollte etwa bis zur Bauchnabelhöhe reichen, plus oder minus eine Handbreit. Gemessen wird ohne Schuhe und in normaler Standhaltung.
Die Toleranz von einer Handbreit ist kein Zufall. Wer offensiv spielt und viel am Ball ist, greift eher zur kürzeren Variante, weil sie mehr Kontrolle gibt. Wer defensiv agiert und Reichweite braucht, nimmt eher die längere.
Richtwerte für Kinder und Jugendliche
Für den Schulsport haben sich folgende Orientierungswerte etabliert:
- Klasse 1 bis 4: etwa 72 bis 87 cm
- Klasse 5 bis 8: etwa 87 bis 91 cm
- Klasse 9 bis 13: etwa 91 bis 95 cm
Diese Werte sind Anhaltspunkte, keine Vorschrift. Entscheidend bleibt die tatsächliche Körpergröße des Kindes, nicht sein Jahrgang.
Kürzen ja, verlängern nein
Ein zu langer Schaft lässt sich kürzen – ein zu kurzer nicht verlängern. Im Zweifel also lieber die längere Variante nehmen und anpassen lassen. Beim Kürzen wird der Schaft am oberen Ende eingekürzt, danach kommt der Griffstopfen wieder hinein.
Wichtig bei Kindern: Lieber einmal im Jahr neu messen als auf Zuwachs kaufen. Ein deutlich zu langer Schläger zwingt in eine aufrechte Haltung und verhindert genau die tiefe Position, auf die es ankommt.
Der Flex: wie steif der Schaft sein soll
Der Flex beschreibt die Härte beziehungsweise Flexibilität des Schafts. Hersteller geben ihn in Millimetern an – der Wert beschreibt, wie weit sich der Schaft unter einer definierten Last durchbiegt.
Daraus folgt eine Logik, die auf den ersten Blick verwirrt: Je kleiner die Zahl, desto steifer der Schaft. Ein Schläger mit niedrigem Flexwert gibt wenig nach, ein hoher Wert steht für einen weicheren Schaft.
Für die Praxis gilt:
- Weicherer Schaft: verzeiht Technikfehler, lädt sich leichter auf, gut für Einsteiger, leichtere Spieler und Kinder.
- Steiferer Schaft: überträgt mehr Kraft, braucht aber saubere Technik und Körpereinsatz. Lohnt erst, wenn der Schuss sitzt.
Wer unsicher ist, fährt mit dem weicheren Modell besser. Ein zu steifer Schläger kostet Schusshärte statt sie zu bringen, weil sich der Schaft gar nicht erst auflädt.
Die Kelle
Links oder rechts?
Floorballschläger gibt es als Links- und Rechtsausleger. Gemeint ist die Seite, auf der die Kelle geführt wird – nicht die Schreibhand. Linksausleger sind deutlich häufiger: Etwa zwei Drittel der Spieler nutzen sie, ein Drittel spielt rechts.
Wenn du unsicher bist, hilft ein einfacher Test: Nimm einen Besen und fege. Die Haltung, die sich natürlich anfühlt, entspricht in der Regel der passenden Schlägerseite. Im Verein lässt sich das vor dem Kauf ausprobieren – ein Fehlgriff ist hier teuer, weil er sich nicht korrigieren lässt.
Vorgebogen oder gerade
Vorgebogene Kellen unterstützen Ballführung und Schuss und sind der Standard im Vereinssport. Gerade Kellen lassen sich beidseitig spielen und kommen deshalb häufig in Schulsets zum Einsatz, wo nicht für jedes Kind die passende Seite vorrätig ist.
Für den regulären Einstieg im Verein ist eine vorgebogene Kelle die bessere Wahl.
Härte der Kelle
Weichere Kellen geben beim Ballkontakt leicht nach und erleichtern das Annehmen. Härtere Kellen übertragen mehr Energie und halten die Form länger. Für Einsteiger ist eine mittlere bis weiche Kelle angenehmer.
Kellen sind Verschleißteile und lassen sich bei den meisten Modellen einzeln tauschen. Das ist günstiger als ein neuer Schläger und ein guter Grund, beim Schaft nicht am falschen Ende zu sparen.
Material und Verarbeitung
Die meisten Schäfte bestehen heute aus Carbon-Composite in unterschiedlichen Mischungen. Höhere Carbonanteile machen den Schaft leichter und steifer, aber auch teurer und empfindlicher gegenüber Schlägen auf harten Untergrund.
Für die ersten Monate reicht ein solides Einsteigermodell. Wer regelmäßig trainiert und weiß, welche Länge und welcher Flex passen, trifft beim zweiten Schläger eine deutlich bessere Entscheidung.
Schläger für den Torhüter
Eine Besonderheit, die Einsteiger regelmäßig überrascht: Der Floorball-Torhüter spielt ohne Schläger. Er wehrt mit Händen, Armen, Beinen und Körper ab und agiert überwiegend kniend.
Wer ins Tor möchte, braucht also keinen Schläger, sondern Helm, gepolsterte Hose, Torwarttrikot und Knieschutz. Für den Anfang stellen die meisten Vereine diese Ausrüstung leihweise.
Wann ein neuer Schläger fällig ist
Schläger verschleißen an zwei Stellen. Die Kelle schleift sich am Hallenboden ab – wird sie an der Unterkante dünn oder bekommt Risse, lässt sie sich bei den meisten Modellen einzeln tauschen.
Der Schaft hält länger, verliert aber nach harten Schlägen gegen Bande oder Boden an Stabilität. Knackende Geräusche oder sichtbare Längsrisse im Carbon bedeuten: Der Schaft ist am Ende seiner Lebensdauer und sollte ersetzt werden, bevor er im Spiel bricht.
Bei Kindern ist meist nicht der Verschleiß der Grund für einen neuen Schläger, sondern die Körpergröße. Miss vor jeder Saison nach.
Griffband nicht vergessen
Das Griffband ist kein Zubehör, sondern bestimmt, wie sicher der Schläger in der Hand liegt. Dünne Bänder geben mehr Gefühl, dickere mehr Polsterung. Es ist Verschleißmaterial und sollte gewechselt werden, sobald es glatt wird – meist deutlich früher, als die meisten es tun.
Die häufigsten Fehler
- Zu lang gekauft. Führt zu aufrechter Haltung und schlechter Ballkontrolle.
- Zu steifen Schaft gewählt. Kostet Schusshärte, statt sie zu bringen.
- Falsche Seite. Lässt sich nicht korrigieren – vorher ausprobieren.
- Bei Kindern auf Zuwachs gekauft. Verhindert die richtige Grundhaltung über eine ganze Saison.
- Griffband zu spät gewechselt. Ein rutschiger Griff kostet Kontrolle in jedem Zweikampf.
Häufige Fragen
Wie lang sollte mein Floorballschläger sein?
Aufrecht auf den Boden gestellt sollte er etwa bis zum Bauchnabel reichen, plus oder minus eine Handbreit. Offensive Spieler greifen eher kürzer, defensive eher länger.
Was bedeutet der Flex-Wert?
Er gibt die Härte des Schafts an, gemessen als Durchbiegung in Millimetern. Je kleiner die Zahl, desto steifer der Schaft. Einsteiger fahren mit weicheren Schäften besser.
Links- oder Rechtsausleger – woran erkenne ich das?
Entscheidend ist die Seite, auf der du den Schläger führst, nicht die Schreibhand. Rund zwei Drittel der Spieler nutzen Linksausleger. Probiere es im Verein aus, bevor du kaufst.
Kann man einen Floorballschläger kürzen?
Ja, am oberen Ende des Schafts. Verlängern geht nicht – kauf im Zweifel also lieber etwas länger.
Lohnt sich ein teurer Schläger für den Anfang?
Selten. Solange Länge und Flex noch nicht feststehen, ist ein solides Einsteigermodell die bessere Investition. Die Kelle lässt sich bei vielen Modellen später einzeln tauschen.
Muss ich für Schule und Verein denselben Schläger nutzen?
Nein. Im Schulsport kommen häufig Sets mit geraden, beidseitig spielbaren Kellen zum Einsatz. Für den Verein lohnt ein eigener Schläger mit passender Seite und Länge.
Fazit: Länge zuerst, dann Flex
Die Reihenfolge ist entscheidend: Erst die Länge über die Bauchnabel-Regel bestimmen, dann die Seite festlegen, zuletzt den Flex wählen – im Zweifel weicher. Wer so vorgeht, braucht kein teures Modell, um gut zu spielen. Wenn du gerade erst anfängst, lohnt vorab der Blick auf die Grundlagen in unserem Überblick zu Floorball: Regeln, Ausrüstung und Einstieg.