Die Inlinehockey-Ausrüstung ist dem Eishockey näher, als viele vermuten – beim Schutz praktisch identisch, bei Skates und Spielgerät dagegen eigenständig. Wer vom Eis kommt, kann vieles mitnehmen. Wer neu anfängt, steht vor derselben Liste wie im Eishockey, aber mit zwei Besonderheiten: der Hitze und dem Belag. Dieser Überblick sortiert, was vorgeschrieben ist, was sich übertragen lässt und womit man startet.
Zwei Spielformen, eine Schutzausrüstung
Bevor es um Ausrüstung geht, lohnt die Unterscheidung, weil sie in jedem Shop und jedem Verein auftaucht:
- Inline-Skaterhockey wird mit einem Ball aus Hartgummi oder Kunststoff gespielt, rund 80 Gramm schwer; ein Puck ist ausdrücklich nicht erlaubt. Der Spielbetrieb läuft über die ISHD und ist ganzjährig. Es gibt kein Abseits, und begrenzter Körpereinsatz ist zugelassen.
- Inlinehockey wird mit einem Rollpuck gespielt. Der Spielbetrieb läuft über mehrere Verbände, unter anderem DRIV und DEB, und die Saison liegt etwa zwischen April und September.
Für die Ausrüstung ist die gute Nachricht: Der Unterschied liegt im Spielgerät und in den Skates, nicht im Schutz. Beide Spielformen verlangen im Kern die Schutzausrüstung des Eishockeys. Was die beiden Varianten sonst unterscheidet, steht im Beitrag Inlinehockey und Skaterhockey.
Was die Regeln verlangen
Die ISHD formuliert es knapp: verlangt wird eine vollständige Schutzausrüstung analog Eishockey. Die Wettkampfordnung macht daraus eine Pflicht für jedes Spiel – alle Spielerinnen und Spieler einer Mannschaft müssen die in den Spielregeln aufgeführte Schutzausrüstung tragen, Verstöße werden nach den Spielregeln geahndet.
Zwei Punkte sind konkret geregelt und wichtig beim Kauf:
- Gesichtsschutz nach Geburtsjahr. Nach den Spielregeln brauchen Feldspieler, die nach dem 31. Dezember 1992 geboren sind, einen Helm mit Vollgesichtsschutz oder Vollvisier. Das ist deutlich strenger als im Eishockey, wo für die nach 1974 Geborenen ein Halbvisier als Mindeststandard genügt.
- Torhüter tragen einen Helm mit Vollgesichtsschutz.
Und eine Regel, die beim Gebrauchtkauf zählt: Die Ausrüstung muss zertifiziert sein, und zuständig dafür ist die technische Kommission des internationalen Verbands IISHF. Veränderungen an der Ausrüstung sind nur mit schriftlicher Genehmigung erlaubt. Ein umgebautes Gitter oder ein nachträglich bearbeiteter Helm ist damit nicht spielbereit, auch wenn er funktioniert.
Was sich vom Eishockey übertragen lässt
Für Umsteiger ist das die eigentliche Frage. Grob gilt:
- Übernehmen: Helm samt Gitter, Schulterschutz, Ellenbogenschoner, Handschuhe, Tiefschutz und Halsschutz. Beim Helm nur prüfen, ob der Gesichtsschutz die strengere Vorgabe erfüllt.
- Prüfen: Die Hose. Eishockeyhosen sind auf Eis und Bandenkontakt ausgelegt; auf Asphalt oder Hallenboden zählt Abriebfestigkeit an Hüfte und Oberschenkel stärker. Für den Einstieg geht die vorhandene Hose, auf Dauer verschleißt sie schneller.
- Nicht übernehmen: die Schlittschuhe, logischerweise – und meist den Schläger.
Der entscheidende Unterschied ist der Untergrund. Ein Sturz auf Eis ist ein Rutschen, ein Sturz auf Asphalt ist ein Schleifen. Das belastet Außenseiten von Hüfte, Oberschenkel und Ellenbogen anders und reibt Material ab, das auf dem Eis jahrelang hält.
Die Skates
Die Skates sind die größte Einzelanschaffung und der Teil, bei dem sich nichts übertragen lässt. Worauf es bei Schuh, Rahmen, Rollen und Kugellagern ankommt und welches Setup zu welchem Untergrund passt, steht im Ratgeber zu Inlinehockey-Skates.
Hier nur die Einordnung, weil der Begriff im Handel unscharf verwendet wird: Fitness-Inliner mit weicher Manschette und Bremse am Heck sind keine Hockeyskates. Hockeyskates haben einen festeren Schuh, einen kurzen Rahmen für Wendigkeit und keine Bremse – gebremst wird mit der Technik.
Der Schläger
Inlinehockey-Schläger ähneln Eishockeyschlägern in Länge und Flex, unterscheiden sich aber an der Kelle. Auf Asphalt und Hallenboden schleift die Schaufel bei jedem Pass über den Belag, und ein reiner Composite-Schläger ist dort schnell durchgescheuert. Verbreitet sind deshalb Kellen mit Kunststoffanteil oder aufgeklebte Schutzfolien für die Unterkante.
Wer mit einem Eishockeyschläger anfängt, sollte die Unterkante von Anfang an abkleben – das kostet wenig und verlängert die Lebensdauer erheblich.
Schutzausrüstung im Einzelnen
- Helm mit Gitter oder Vollvisier – je nach Geburtsjahr vorgeschrieben, siehe oben.
- Hals- und Nackenschutz, schnittfest.
- Schulterschutz und Ellenbogenschoner. Letztere mit Blick auf Abrieb wählen, weil der Ellenbogen beim Sturz zuerst aufkommt.
- Handschuhe – dieselben wie im Eishockey.
- Hose mit Hüft- und Oberschenkelschutz.
- Schienbein- und Knieschutz.
- Tiefschutz.
Frag im Verein nach, was in deiner Altersklasse konkret verlangt wird. Die ISHD führt Altersklassen von den Minis bis zu den Herren und Damen, und die Vorgaben können sich im Detail unterscheiden.
Altersklassen: wonach die Größe sich richtet
Beim Ausrüstungskauf für Kinder hilft es, die Altersklasse zu kennen, in der tatsächlich gespielt wird – Hersteller orientieren ihre Größenstufen daran. Die ISHD führt für die Saison 2026 diese Einteilung:
- Herren und Damen – Jahrgang 2007 und älter
- U19, Junioren – 2008 bis 2010
- U16, Jugend – 2011 bis 2013
- U13, Schüler – 2014 bis 2016
- U10, Bambini – 2017 und jünger
- U8, Minis – 2019 und jünger
Mit Einverständnis der Eltern darf zusätzlich in der nächstniedrigeren Klasse gespielt werden, bei Damenmannschaften in den beiden darunter. Das ist beim Kauf relevant: Wer in zwei Klassen eingesetzt wird, braucht Ausrüstung, die in beiden passt – und nicht eine, die auf die obere Klasse hin zu groß gekauft wurde.
Hitze: das unterschätzte Thema
Der Punkt, der im Eishockey keine Rolle spielt. Inlinehockey wird im Sommer gespielt, teils draußen auf Asphalt, teils in Hallen ohne Eisfläche und damit ohne deren Kühlung. Dieselbe Schutzausrüstung, die auf dem Eis angenehm ist, wird bei 28 Grad zur Belastung.
Praktisch heißt das: auf Belüftung achten, besonders bei Helm und Hose. Funktionswäsche unter der Ausrüstung bringt hier mehr als bei jedem anderen Hockeysport, und zwei Trikots zum Wechseln sind kein Luxus. Nach dem Spiel gehört die Ausrüstung offen zum Trocknen – im Sommer ist das keine Pflegeempfehlung, sondern Geruchsvermeidung.
Die Torwartausrüstung
Der Torhüter braucht Helm mit Vollgesichtsschutz, Brust- und Armschutz, Beinschienen, Fanghand und Stockhand. Die Ausstattung entspricht weitgehend der des Eishockeys, und auch hier gilt: Es ist die teuerste Position.
Vereine stellen Nachwuchstorhütern in aller Regel eine Ausrüstung. Das ist der sinnvolle Einstieg, zumal sich erst über eine Saison zeigt, ob die Position passt.
Pflege: Staub statt Eiswasser
Die Pflege unterscheidet sich vom Eishockey an einer Stelle grundlegend: Statt Feuchtigkeit ist Staub das Problem. Asphalt und Hallenboden tragen feinen Abrieb in Lager und Rollen, und dort richtet er mehr Schaden an als Nässe an einer Kufe.
Nach dem Spiel genügt wenig: Skates außen abwischen, Rollen auf Abflachung prüfen und von Zeit zu Zeit tauschen oder rotieren, Schoner und Hose offen trocknen lassen. Die Lager vertragen keine aggressiven Reiniger und kein Wasser im Inneren – sie werden trocken gereinigt und bei Bedarf geölt. Alles Weitere zu Rollen und Lagern steht im Skates-Ratgeber.
Womit anfangen
Die Reihenfolge, wenn das Budget nicht für alles auf einmal reicht:
- Helm mit passendem Gesichtsschutz – das ist die Vorschrift und der wichtigste Schutz.
- Skates, weil sie Technik und Sicherheit am stärksten beeinflussen.
- Handschuhe, Ellenbogen- und Schienbeinschutz.
- Hose und Schulterschutz.
- Schläger – hier reicht lange ein Einsteigermodell.
Viele Vereine haben Leihausrüstung für die ersten Wochen. Das Gespräch vor dem ersten Kauf spart oft mehr als jeder Rabatt.
Kurz zusammengefasst
- Skaterhockey spielt mit Ball, Inlinehockey mit Rollpuck – die Schutzausrüstung ist bei beiden die des Eishockeys.
- Die ISHD verlangt vollständige Schutzausrüstung analog Eishockey, bei jedem Spiel.
- Feldspieler ab Geburtsjahrgang 1993 brauchen Vollgesichtsschutz oder Vollvisier – strenger als im Eishockey.
- Ausrüstung muss zertifiziert sein; Veränderungen nur mit schriftlicher Genehmigung.
- Vom Eis übertragbar: Helm, Schoner, Handschuhe, Tiefschutz, Halsschutz. Nicht übertragbar: Skates und meist der Schläger.
- Asphalt scheuert – Kellenunterkante abkleben, Abriebfestigkeit bei Hose und Ellenbogenschonern mitdenken.
- Hitze mitplanen: Belüftung, Funktionswäsche, Wechseltrikot.
Wer noch überlegt, welche Hockeyart überhaupt passt, findet die Gegenüberstellung im Vergleich der Hockeyarten.